Gedanken lesen

Kennen Sie Ihre Kund*innen, noch besser Ihre Traumkund*innen? Wissen Sie, was sie wirklich interessiert? Was ihnen Freude macht, nutzt oder was ihnen das Leben erleichtert. Wenn nicht, sollten Sie sich darüber Gedanken machen.

Tipps für mehr Achtsamkeit beim Schreiben. Weil es sich lohnt.

Haben Sie schon einmal einem Kind erklärt, was Sie beruflich machen? Und was das Besondere an Ihrem Angebot ist, quasi der USP, also der einzige Grund, warum der oder die Kleine zum Schluss kommen soll: „Genau das will ich!!“ Probieren Sie’s einfach. Ohne Fachchinesisch und einschlägiges Vokabular, versteht sich. Andernfalls wird sich der oder die Kleine nämlich nach wenigen Augenblicken in die Spielecke verziehen. Langweilig.

Uns Erwachsenen geht es da nicht anders. Texte, die sich langatmig in Details verlieren, klicken wir gnadenlos weg. E-Mails, die beliebig oder schwülstig beginnen, landen blitzschnell im Papierkorb.

Heiße Luft macht nicht satt

Den Unterschied schmeckt man, finde ich. Beispielsweise auf Speisekarten. „Regionale Speisen und Getränke“ klingen zwar nett. Wer steirische Küche liebt, hat aber definitiv mehr Freude, wenn der Wirt oder die Wirtin konkret wird. Wer seine Gäste kennt, weiß doch so gut, was sie lieben: knuspriges Backhendl, Hauswürstl und echten steirischen Speck, selbst gebackenes Brot, Apfelradel, Zwetschkenröster… Kurz: Grüße aus der Küche, die die Geschmacksknospen aufblühen lassen und die Vorfreude aufs Essen definitiv heben. Warum noch immer so viele Speisekarten heiße Luft statt appetitliches Wording offerieren, erschließt sich mir nicht.

Oder die Sache mit dem Service. Ein Wort für vieles, alles und nichts. Aber wenn der Abfluss verstopft ist, machen sich vor allem jene Fachleute beliebt, die rasch und verlässlich ins Haus kommen und das Malheur beheben. Warum also nicht darüber schreiben? Und wer sich an eine Apothekerin wendet, erwartet sich nicht nur Medikamente, sondern in den meisten Fällen auch Antworten auf ganz persönliche Fragen: Wie ist das mit den Nebenwirkungen? Was mag zarte Babyhaut? Welche Impfungen sind notwendig? Was hilft meiner Katze? Und hält die Kosmetik, was die Werbung verspricht?

Und falls Sie jetzt die Relevanz Ihrer eigenen Website testen wollen, genügt ein einfacher Test: Fragen Sie Bekannte, was sie auf Ihrer Startseite erfahren.

Seitenwechsel

Über Jeff Bezos und seine Philosophie lässt sich streiten. Aber einer Geschichte, die man sich von ihm erzählt, kann ich einiges abgewinnen. Zu Meetings soll er immer einen zusätzlichen Stuhl mitbringen. Der Sessel bleibt leer, denn der Amazon-Gründer hat ihn für die wichtigste Person im Raum reserviert: für die Kundin bzw. den Kunden.

Was das für professionelles Schreiben bedeutet? Es lohnt sich, Gedanken über die Perspektive der anderen zu machen. Die Insight, wie unsere Branche gern sagt, die Innensicht, die oft ganz anders ist als die Sicht von außen.

Probieren Sie's selbst. Wechseln Sie einmal die Seite, vergessen sie einmal das Wort "Kunde" bzw. "Kundin" und versetzen Sie sich in die Rolle jener Menschen, denen Sie Ihr Angebot schmackhaft machen wollen. Denn, es sind Menschen. Mit menschlichen Bedürfnissen, Wünschen, Ängsten, Sorgen. Menschen, die für Ihre Empathie auch deshalb empfänglich sind, weil sie nicht selbstverständlich ist.

5 Tipps für mehr Achtsamkeit. Auch beim Schreiben.

  1. Stellen Sie sich die Menschen, denen Sie schreiben, bildlich vor. Sind es Frauen? Männer? Ältere oder junge Menschen. Eltern mit Kleinkindern oder Pubertierenden. Autofreaks, Kulturreisende, unternehmungslustige Menschen oder Berufstätige, die eine Auszeit brauchen?
  2. Beschreiben Sie Ihre Lieblingskundin, Ihren Lieblingskunden. Was interessiert sie oder ihn? Womit können Sie Freude bereiten? Was kommt besonders gut an? Suchen Sie nach konkreten Beispielen!
  3. Notieren Sie sich positives Feedback Ihrer Kundinnen und Kunden im Detail und verwenden Sie diese Rückmeldungen.
  4. Suchen Sie nach einem Bild, das einen wichtigen Nutzen Ihres Angebots gut beschreibt. Gibt es Bilder, die die Freude, die Ihr Produkt bereitet, mit einem Wort beschreiben? Womit lässt sich der Vorteil vergleichen?
  5. Beginnen Sie Ihren Text mit einem Satz, der in den Köpfen Ihrer Leserinnen und Leser ein Bild entstehen lässt.

 

Schreiben Sie mir, wenn Sie Achtsamkeit beim Schreiben ebenso wertvoll empfinden wie ich. Oder wenn Sie Fragen zu Content und Storytelling beschäftigen. Ich schreibe zurück. Und für Sie.

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