Was uns gute Geschichten erzählen

coporate storytelling ©nina popp.com

Beim Kaffee, beim ungezwungenen Gespräch an der Bar fällt es leicht Geschichten zu erzählen. Wenn das Wort „Storytelling“ fällt und die Frage nach der Corporate Story des eigenen Unternehmens auftaucht, tun sich viele von Ihnen vermutlich schon schwerer. Das lässt sich ändern. Ein paar Überlegungen, die den Anfang Ihrer Corporate Story erleichtern, und Mut machen sollen, Gefühle zu zeigen.

Das goldene Zeitalter

Mein guter alter Lateinlehrer war ein begnadeter Storyteller, der die Geschichten der Antike zum Leben erweckte. Mit ihm flogen wir zurück in Ovids goldenes Zeitalter und vergaßen die Zeit, wenn sich mehr oder weniger ruhmreiche Erdenbewohner in Bäume und Tiere verwandelten und leichtgläubige Nymphen von Göttern täuschen ließen. Wir standen mit Cicero am Forum und durchquerten mit Caesar in schweißtreibenden Fußmärschen ganz Gallien.

Vieles von dem, was er uns vor vielen Jahren erzählte, blieb nur deshalb in meinem Gedächtnis hängen, weil er es uns in Form Geschichten mitgab, die alles hatten, was eine gute Geschichte braucht: Heldinnen und Widersacher, Himmel und Hölle, erlösende Momente und dramatische Wendungen. Denn die griechische Wurzel von Krise – auch das gab mir mein Lateinlehrer mit auf den Weg – heißt soviel wie Entscheidungspunkt. Und: Da war viel Emotion.

Trial and Error

Warum ich Ihnen davon erzähle? Nun, weil gute Geschichten noch immer wirken. Auch im Business. Sie erzählen von Meilensteinen, von entscheidenden Begegnungen und Wendungen, von großen Ideen und Startschwierigkeiten, von falschen Freundinnen und guten Partnern, von Enttäuschungen und Glücksgefühlen. Also von Dingen, die wir alle gut nachfühlen können. Sie merken es: Success Stories und Corporate Stories zählen zu meinen Lieblingsaufträgen.

Die Bausteine für eine gute Geschichte finde ich in jedem Unternehmen. Ob es um die Entwicklung einer komplexen Technologie geht, um den Familienbetrieb, der den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft hat, oder die Neugründung, die mit einer neuen Idee beeindrucken will. In jedem Fall gibt es ein Dilemma und eine Heldin bzw. einen Helden. Und Emotionen.

Ich bin mir sicher, dass Ihre Geschichte ebenso spannend klingt, wie jene des Erben einer Traditionsbäckerei, der sein Glück zunächst im Ausland sucht und mitten in der Bäckerkrise zurückkehrt, um den elterlichen Betrieb zu übernehmen und das alte Handwerk neu erfindet. Oder wie die Geschichte der Bauingenieurin, die den Weingarten der Großeltern als Ausgleich zum digitalen Alltag bearbeitet. Nach einigen Jahren siedelt sie mit ihrer jungen Familie aufs Land und widmet sich ausschließlich dem Weinbau.

Manche Menschen folgen einem langgehegten Wunsch, der irgendwann zum Brotberuf wird. Andere macht die Not erfinderisch. Trial and error.

Wie war das damals?

Meiner Ansicht nach liegt die Faszination einer Geschichte ganz allgemein - und konkret im unternehmerischen Kontext - nicht in erster Linie im Erfolg begründet. Viel faszinierender scheint mir die Krise, die eine Entscheidung notwendig macht, und der Weg zum nächsten entscheidenden Moment. Oder wie Emma Coats über die Kunst des Storytellings twitterte: „You admire a character more for trying than for their successes.“

Was ich von erfolgreichen Unternehmer*innen wissen will? Woher sie ihren Mut nahmen, neue Wege zu gehen. Warum sie sich trotz widriger Umstände nicht vom Weg abbringen ließen. Wer im entscheidenden Moment zur Seite gestanden ist. Wie sich der Generationenkonflikt schließlich befrieden ließ. Antworten auf diese und ähnliche Fragen machen eine Corporate Story aus und geben ihr eine spannende Wendung, der sich auch Ihre Kund*innen nicht entziehen können. Denn Sie erzählen immer von Menschen und ihren Gefühlen.

Wenn Sie die Geschichte Ihres Unternehmens, Ihrer Dienstleistung, Ihres Produkt erzählen, sollten Sie sich daher nicht nur entscheidende Ereignisse in Erinnerung rufen, sondern auch Ihre ganz persönlichen Empfindungen. Wie fühlte sich das damals an? Das schmale Startbudget. Das kleine Team. Der große Kunde, der nicht zahlte. Der Riesenauftrag... Genau dieses Gefühl vermitteln Sie Ihrem Publikum.

Schreiben Sie mir, wenn Sie mehr über Corporate Storytelling erfahren wollen.

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