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	<title> &#187; Zeitgeschichte</title>
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		<title>&#8230;und dann kam die Wende</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Jun 2009 19:37:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>np</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textbeispiele]]></category>
		<category><![CDATA[Südosteuropa]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Fall des Eisernen Vorhangs hat die Gesellschaften Europas auf allen Ebenen verändert. Im Westen und noch mehr in Ost- und Südosteuropa. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie es Minderheiten gelingt, ihre Identität unter den neuen Rahmenbedingungen zu bewahren. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Mauer fiel und die Dörfer waren auf einmal leer. Zurück blieben die Alten. 20 Jahre nach der Wende, untersuchen Grazer WissenschafterInnen das Ethnomanagement deutscher und ungarischer Minderheiten in Südosteuropa. </p>
<p>Gelingt es, die Identität unter den neuen Rahmenbedingungen zu bewahren? Wie prägen einzelne Mitglieder der Minderheit das Leben in den Regionen Siebenbürgen (Rumänien), Slawonien (Kroatien), Slowenien, Südwestungarn und Vojvodina (Serbien)? Was wirkt von innen und was von außen?</p>
<p>Anders gefragt: Welche Bedeutung haben die Aktivitäten der Minderheitenorganisationen in den genannten Regionen und welche Einflüsse üben österreichische, deutsche sowie ungarische Institutionen auf die deutsche beziehungsweise ungarische Minderheit aus?</p>
<p>Mehr über „Die Wende im Kleinen“ erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe des Grazer Universitätsmagazins „<a href="http://www.uni-graz.at/ains2www_unizeit2_09.pdf" target="_blank">UNIZEIT</a>“.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Zeit im Bild</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Feb 2009 18:48:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>np</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textbeispiele]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie un/sichtbar war der Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime in der Steiermark?  Und wie verändern sich die Un-Sichtbarkeit des Nationalsozialismus und seine Verbrechen nach Kriegsende 1945? Eine Ausstellung im Grazer Stadtmuseum zeigt Alltagsbilder aus der NS-Zeit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erschienen in <strong>Unizeit</strong></p>
<p><em>Wie un/sichtbar war der Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime in der Steiermark? Und wie verändern sich die Un-Sichtbarkeit des Nationalsozialismus und seine Verbrechen nach Kriegsende 1945? Eine Ausstellung im Grazer <a href="http://www.stadtmuseumgraz.at/index.php?pageid=116&amp;sid=42" target="_blank">Stadtmuseum </a>zeigt Alltagsbilder aus der NS-Zeit.</em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><em></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><em></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><em></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Die Fragen, mit denen sich die Grazer HistorikerInnen seit Jahren auseinandersetzen, zielen auf die Rekonstruktion einer großformatigen Abbildung der NS-Zeit mit größter Detailgenauigkeit ab. Die Details, die sie Archivmaterialien und Protokollen, Berichten von ZeitzeugInnen<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>und jüngeren Recherchen entziehen, führen jeweils zurück zum Indivduum und zu der von den HistorikerInnen als zentral beurteilte Frage des individuellen<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>Dieser Spielraum habe sich bei der Bewertung des Verhaltens einfacher BürgerInnen als ebenso relevant erwiesen, wie bei der Untersuchung von NS-Eliten, meint die Grazer Historikerin Ursula Mindler.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Die Karriere des burgenländischen Gauleiters Tobias Portschy brachte sie zum Thema Macht und der Funktionsweise von Netzwerken vor und während der Zeit der NS-Herrschaft.<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>Woher rekrutierte die NSDAP ihre Mitglieder, als die Bewegung verboten war? Wie überdauerten die in der Illegalität geknüpften Bande Bruchstellen wie das Jahr 38? Wie ging man beispielsweise nach dem plötzlichen Zugang zur Macht mit Angehörigen der Sozialdemokratie um? Mindler stellte bei ihren Untersuchungen fest, dass manche Nazis die gemeinsame Zeit der Verfolgung offensichtlich in Erinnerung behielten und Nachsicht walten ließen, andere hingegen mit aller Härte verfuhren und mit dem Befehl von oben argumentierten.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong>Verfolgung der Roma</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Das Beispiel der Verfolgung der Roma zeigt aber auch, dass der persönliche Handlungsspielraum dafür genutzt wurde, in der Hierarchie nach oben zu intervenieren, um eigene Ziele voran zu treiben. Gauleiter Tobias Portschy, NS-Landeshauptmann des Burgenlandes, später Gauleiter-Stellvertreter der Steiermark und NS-Ideologe, war die treibende Kraft bei der Deportation der Roma, die ihr Todesurteil bedeutete. Nicht nur in der Steiermark, sondern auch per Eingaben an das Hauptquartier in Berlin mahnte er zur Eile und machte Vorschläge zu Inhaftierung und Abschiebung. Sein<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>1938 veröffentlichtes Memorandum „Die Zigeunerfrage“, enthält alle Überlegungen, die bis 1945 schrittweise umgesetzt wurden: das Schulverbot für Romakinder, die Zwangssterilisierungen, Einweisung in Arbeitslager und ab 1941 die Deportation von 5000 Roma nach Lodz. Die letzten in der Steiermark verbliebenen Roma wurde 1943 nach Ausschwitz deportiert. Die genaue Zahl der Todesopfer ist nicht bekannt. „Da wir keine wissenschaftlich abgesicherten Angaben machen können, haben wir uns in der Ausstellung im Stadtmuseum dazu entschlossen, den Platz, an der die Namen der Todesopfer stehen sollten, weiß zu lassen“, beschreibt die Historikerin den Versuch die sichtlich nicht erfolgte Aufarbeitung sichtbar zu machen.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong>Denunziantentum</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Denunziationen sind ein anderes Beispiel für die Überlagerung von sichtbaren und unsichtbaren Wahrnehmungen und Konflikten. Das enorme Ausmaß<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>des Denunziantenwesens belegen die Zahlen: Zwischen März 38 und Mai 1945 waren in der Steiermark von der Gestapo<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>und anderen Dienststellen insgesamt 46.730 Personen<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>ins Gefangenenhaus in der Paulustor eingeliefert worden. Während die Hälfte bald wieder auf freien Fuß kam, wurden mehr als 8000 den Gerichten übergeben, in ein KZ<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>(5416), ein Arbeitslager (2431), in das Gaukrankenhaus (782) oder ins Sonderkrankenhaus Feldhof (161) eingeliefert. Als Haftgrund genügten Witze oder auch beiläufig geäußerte Kritik, die häufig als Vorwand dienten, einen unbequem gewordenen Mitmenschen los zu werden. In nur fünf Prozent aller<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>Fälle wurde die Anzeige von Unbekannten erstattet.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Die nach 1945 vorgebrachte Entschuldigung, man habe die Konsequenzen der Anklage nicht gekannt, hat der<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>Grazer Historiker Heimo Halbrainer mit dem Hinweis auf die Berichterstattung entkräftigt. GegnerInnen des Regimes wurden in Zeitungen und auf Plakaten als „Volksschädlinge“, „Drückeberger“ und als „schamlose Weibsbilder“ weithin sichtbar diffamiert und öffentlich verurteilt.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Nach Kriegsende bekannte sich nur ein geringer Teil der Angeklagten zum Verrat am Nächsten, berief sich auf Andere, auf Zwangslagen oder die staatsbürgerliche Pflicht. Der politische Wandel zeigte sich, so Halbrainer, auch beim Wandel der Urteile und des Strafausmaßes, das mit dem Abstand zum Kriegsende vergleichsweise milder ausfiel. Und auch das Interesse der steirischen Medien versiegte.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong>Vergessen</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Während die Namen vieler steirischer Opfer, Todesort und -art bis heute nicht nachgewiesen werden können, ist das Schicksal von Sigfried Uiberreither weitgehend geklärt, der als Gauleiter<span style="color: #333333;"> die Enteignungen der Juden und Roma zu verantworten hatte, die brutalen Folgen der„Germanisierungspolitik“ in der Untersteiermark bis hin zu den Erschießungen politischer Gegner in der Endphase der NS-Herrschaft und die Durchführung der „Todesmärsche“ ungarischer Juden im April 1945. Er selbst floh am Tag vor dem Kriegsende aus Graz, wurde in Murau verhaftet und nach Nürnberg gebracht. 1947 konnte er unter dubiosen Umständen aus dem Gefängnis fliehen. Sein Grab befindet sich in Deutschland: In Sindelfingen wo er ab Mitte der 50er Jahre für einen Kühlgerätehersteller arbeitete. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Die letzten Jahre vor seinem Tod im Jahr 1984 soll Friedrich Schönharting, wie er sich nannte, als Alzheimerpatient mit dem Vergessen verbracht haben.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Weiße Flecken und Grautöne</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Feb 2009 18:33:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>np</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textbeispiele]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Was wussten die Menschen in der Steiermark tatsächlich von den Ereignissen und Verbrechen der NS-Zeit?  Was wollten sie wissen, was hätten sie wissen können? 

Siebzig Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten untersuchten Grazer GeschichtswissenschafterInnen Dokumente und Quellen aus einer neuen Perspektive und finden plausible Erklärungen für das Funktionieren des NS-Systems.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Erschienen in <strong>Unizeit</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><em> </em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><em>Was wussten die Menschen in der Steiermark tatsächlich von den Ereignissen und Verbrechen der NS-Zeit? Was wollten sie wissen, was hätten sie wissen können? </em><em> </em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><em>Siebzig Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten untersuchten Grazer GeschichtswissenschafterInnen Dokumente und Quellen aus einer neuen Perspektive und fanden plausible Erklärungen für das Funktionieren des NS-Systems.</em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">1938. Irgendwo in Graz. Im Hintergrund Fahnen und Fähnchen mit dem Hakenkreuz und Menschen, die aus dem offenen Fenster winken. Im Vordergrund Frauen, Männer und Kinder auf einem provisorisch errichteten Gerüst, auf Leitern und Bretter gestützt, um gut zu erkennen, was da jenseits des Zauns die Straße herauf auf sie zukam. Wie die Personen am Bild auf die Bewegung vor Ort reagierten, ist aus dem Bild nicht ersichtlich. Aber: Wer sehen wollte, konnte offensichtlich sehen.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Ein Bilddokument als Antithese zum „Wir haben nichts davon gewusst“, jenem Stehsatz ohne den kaum eine Diskussion zur NS-Zeit auskommt. Was wussten<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>die Menschen in der Steiermark tatsächlich von den Ereignissen und Verbrechen, was wollten sie wissen, was hätten sie wissen können? Wie funktionierte das System und wie der Widerstand dagegen?</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong> </strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong>Un/Sichtbar</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Siebzig Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten lassen sich diese Fragen nicht restlos beantworten, aber Grazer ZeitgeschichtlerInnen<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>haben wichtige Entwicklungslinien durch die vielschichtigen Phänomene vor, während und nach der NS-Zeit freigelegt. Grautöne im historischen Rasterbild, die das traditionelle Schwarz-Weiß-Muster definitiv ablösen könnten.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Nationalsozialistische Herrschaftspraxis in der Steiermark: Herrschaft &#8211; Verfolgung &#8211; Widerstand – Alltag. Der Titel der Forschungsprojekte am <a href="http://www.uni-graz.at/gesgxwww/" target="_blank">Institut für Geschichte </a>unter Leitung von Helmut Konrad, holt weit aus. Aus Notwendigkeit, um der Komplexität der Ereignisse und Phänomene zu entsprechen. Projetkmitarbeiterin Ursula Mindler, Heimo Halbrainer vom Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit <a href="http://www.clio-graz.net/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=18&amp;Itemid=31" target="_blank">Clio</a>, und Gerald Lamprecht, <a href="http://www.uni-graz.at/cjs-graz/" target="_blank">Centrum für Jüdische Studien</a>, haben das wissenschaftliche Konzept für eine Ausstellung von Clio erarbeitet, die seit September 2008 im Stadtmuseum Graz und im Landhaushof zu seihen ist. Unter dem Titel „un-SICHTBAR“ greift sie die Themen des Forschungsprojekt auf.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong> </strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong>Macht und Zustimmung </strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Die geschichtswissenschaftliche Betrachtung hat einen entscheidenden Wandel erlebt. So wird der begriff der NS-Herrschaft nicht mehr als Idee einer von oben durch Eliten gelenkten Diktatur<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>verstanden, sondern als das Zusammenspiel verschiedenster Akteure, von Herrschenden und Beherrschten, wie Gerhard Lamprecht<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>den Begriff der „sozialen Praxis“ definiert.<span style="mso-spacerun: yes;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Damit kann das in der Proklamation über die Selbständigkeit Österreichs gezeichnete Bild vom „macht- und willenlos gemachten Volk“ nicht aufrecht bleiben. Das Erklärungsmodell von den „Nazis“, die in den 30er Jahren das österreichische Volk erst mit Versprechungen verzaubert, dann überfallen, zu unmenschlichen Verbrechen verleitet, in den Ruin geführt und zuletzt zwischen Schuld und Sühne zerrissen zurückgelassen haben, verliert vollends an Kraft.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong> </strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong> </strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong>Ermessen und Courage</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Stattdessen zeichnet Gerald Lamprecht das Bild der „Zustimmungsdiktatur“ – ein vom deutschen Historiker Götz Aly lancierter Begriff &#8211; , die gleichermaßen von oben und unten ermöglicht wurde. „Sie nahm einerseits auf die Meinungen und Befindlichkeiten des ,Volkes’ in vielerlei Hinsicht Rücksicht und erfuhr andererseits von den ‚VolksgenossInnen’ entsprechende Unterstützung und Rückhalt.“<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>Nicht allein der Terror von SS, SA und Gestapo, sondern erst das „konkrete Agieren und Interagieren der Menschen in ihren jeweiligen ideologischen und alltäglichen Rahmen“ ermöglichten die Durchsetzung nationalsozialistischer Politik.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">War es also Ermessenssache, ob jemand mitmachte oder opponierte? Charaktersache? Frage von Zivilcourage oder Schwäche? Nach Ansicht der HistorikerInnen stand es den Menschen tatsächlich frei, ihren jeweiligen Handlungsspielraum zu nutzen. Die individuelle Entscheidung für oder wider passierte allerdings in einem Kontext, der in den 30er Jahren von der zunehmend antisemitischen Tradition, autoritären, antidemokratischen Ideologien und schwierigen ökonomischen Rahmenbedingungen durchwoben war. Vor diesem Hintergrund erklärt sich die Spaltung der Gesellschaft in Dazugehörige und Ausgeschlossene ab dem März 38, einer Gesellschaft, in der Verfolgung von Juden, „Zigeunern“, „Asozialen“ und politisch Andersdenkenden von weiten Teilen der Bevölkerung toleriert wurden. Im wahrsten Sinn des Wortes: geduldet und mitgetragen.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong> </strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong>Pressemeldungen</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Parallel zur Schlechterstellung der einen Gruppe passierte die Besserstellung der anderen. Allein dieses Faktum lässt den Satz, man habe von nichts gewusst, schwer verständlich erscheinen: angesichts der historisch belegten Veränderungen in der Nachbarschaft, die erfahrungsgemäß nicht unbemerkt bleiben. Angesichts von Wohnungen und Geschäften bekannter Kaufleute, die mit einem Mal günstig zum Kauf angeboten waren. Angesichts der KollegInnen, die von einem Tag auf den anderen nicht mehr zur Arbeit erschienen. Ein Blick in die Tageszeitungen der Epoche beweist, dass alle Gesetzesänderungen in Berichten und Kommentaren publik gemacht wurden, und die Auswirkungen der neuen Politik über die Chronik bis in den Inseratenteil zu verfolgen waren. Von Denunziationen über Verurteilungen bis zum Angebot von „arisierten“ Eigentum.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong> </strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong>Widerstand</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Schon vor dem März 38 gab es auch Gegenstimmen. Heimo Halbrainer hat sich mit dem Widerstand von SteirerInnen seit längerem auseinandergesetzt und dabei Einzelpersonen und Gruppierungen mit unterschiedlich starker Oppositionskraft untersucht.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Aus Berichten von ZeitzeugInnen und schriftlichen Dokumenten wissen wir daher von<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>couragierten Frauen, die in Flugblättern und Artikeln schon vor dem März 38 vor der inhumanen NS- Ideologie warnten, ebenso von Partisanen im Koralmgebiet, Kommunisten oder steirischen Priestern, die ihren persönlichen Handlungsspielraum zum Widerstand gegen rassistische und inhumane Ideologien nutzten. Wer sehen wollte, konnte offensichtlich sehen.<span style="mso-spacerun: yes;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Erika Thümmel, die Gestalterin der Grazer Ausstellung im <a href="http://www.stadtmuseumgraz.at/index.php?pageid=116&amp;sid=42" target="_blank">Stadtmuseum</a>, hat das Bild der Leitern und Bretter aufgenommen, um dem interessierten Publikum die Sicht auf historisch gesicherte Fakten zu ermöglichen: Die Laptops, die auf den Brettern eingerichtet sind, liefern Daten zur steirischen NS-Vergangenheit.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Topografie der Erinnerung</title>
		<link>http://www.ninapopp.com/2009/01/27/topografie-der-erinnerung/?utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=topografie-der-erinnerung</link>
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		<pubDate>Tue, 27 Jan 2009 12:07:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>np</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textbeispiele]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Steiermark]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Präbichl starben im April 1945 mehr als 250 Jüdinnen und Juden in einem der schlimmsten Massaker der steirischen Geschichte. 
Über den schwierigen Umgang mit einer lokalen Tätergeschichte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><em style="mso-bidi-font-style: normal;">Als exemplarischer Fall für den schwierigen Umgang mit einer lokalen Tätergeschichte kann die jahrelang ausgebliebene und nun nachgeholte Erinnerung an das Präbichl-Massaker gesehen werden.</span></em><em style="mso-bidi-font-style: normal;"></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;">Landschaften haben ihre Geschichte. Landauf, landab finden sich Tatorte, über die im Laufe der Zeit Gras wächst. Verletzte Strukturen im Untergrund hinterlassen dennoch unauslöschliche Narben, auch wenn sie oft nur aus der Entfernung wahrgenommen werden.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">So geschehen am Präbichl. In der Wanderregion mit Selbstversorgerhütten, im „Winterwunderland“. Dort, wo am 7. April 1945 mehr als 250 Jüdinnen und Juden in einem der schlimmsten Massaker der steirischen Geschichte starben. ZwangsarbeiterInnen, die von Ungarn in die Oststeiermark transportiert worden</span><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial; mso-bidi-font-family: 'Times New Roman'; mso-bidi-font-size: 7.5pt;"> </span>waren, um Befestigungsarbeiten am „Südostwall“ zu verrichten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Gräber und Gräben</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Ende März, als sich die Niederlage unausweichlich abzeichnete, ordnete Heinrich Himmler die Evakuierung der Lager an, und die Kolonnen bewegten sich von Osten über Graz, Bruck und Leoben in Richtung Mauthausen. Eskortiert von Angehörigen des Volkssturms, Polizei, Gendarmerie und ukrainischer Waffen-SS folgten sie verschiedenen Routen, die sich nach dem Krieg anhand der später gefundenen Gräber rekonstruieren ließen. Viele der Opfer kamen aufgrund körperlicher Erschöpfung um, andere wurden kurzerhand als marschunfähig beurteilt und erschossen, liegen gelassen oder im nächsten Graben verscharrt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">„Eisenerz war Zeuge der nationalsozialistischen Massenschlächterei“ titelte das obersteirische Tagblatt am 1. Juni 1945, auch die Erhebungen im Zusammenhang mit den Todesmärschen setzten unmittelbar nach den Vorfällen ein. Als am 1. April 1946 der erste Eisenerzer Prozess begann, erfuhr eine breite Öffentlichkeit durch Print- und Tonmedien von Details des Todesmarsches, ebenso von den ZeugInnen,</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">die eine Woche lang über die Erschießungen aussagten. Die Berichterstattung verfolgte das Verfahren akribisch bis zur Verkündung der zehn Todesurteile und hielt bis zum letzten der insgesamt elf- Prozesse im November 1947 an.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"> </span></strong><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Gelöschte Erinnerung</span></strong><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"> </span></strong><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Angesichts der Fülle an dokumentierten Fakten scheint es unbegreiflich, dass das Massaker am Präbichl im öffentlichen Gedächtnis der Region nicht aufschien und es erst der behutsam angeleiteten Aufarbeitung bedurfte, ehe man den Toten im Vorjahr ein Mahnmal errichtete. Der Entwurf der fallenden Menschen stammt von HauptschülerInnen, auch die Drahtkörbe, die der Gedenkstätte als Sockel dienen, füllten die Jugendlichen eigenhändig mit Steinen vom Erzberg, als Erinnerung an die vergossenen Tränen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Die Geschichte des neuen Symbols sei charakteristisch für die steirische Gedächtniskultur nach 1945, die zwar mit prominent positionierten Denkmälern an die Gefallenen der Zeit von 1938 bis ’45 erinnern, während Opfer aus den Reihen des Widerstands und der Verfolgten bis heute noch auf vergleichbare Symbole warten, meint die Historikerin Dr. Heidemarie Uhl. Die beiden Grazer Wissenschafter Mag. Heimo Halbrainer und Mag. Christian Ehetreiber, die selbst maßgeblich am Projekt mitwirkten, schildern in der eben erschienenen Dokumentation nicht nur Vorgeschichte und Verlauf des Projekts „Mahnmal Präbichl“, sie gehen gemeinsam mit anderen Autorinnen den in der Auseinandersetzung mit Terrorregimen immer wieder kehrenden drängenden Fragen nach und untersuchen Chancen und Grenzen von politischer Bildung.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Behutsame Aufklärung</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">„Sinnvollerweise“, so der Philosoph Peter Strasser vom Institut für Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie und Rechtsinformatik der Uni Graz, „sollten sich pädagogische und politische Modelle an den durchschnittlichen Menschen richten, um Gewaltbereitschaft nicht zu enthemmen.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Die Täter am Präbichl rekrutierten sich nicht aus Spezialeinheiten, sondern aus dem Volkssturm, dessen Feindbild den von der nationalsozialistischen Propaganda wiederholten negativen kollektiven Metaphern entsprach. Die dadurch provozierte Deindividualisierung des Gegenübers ist ein Erklärungsmodell für jene Gewaltbereitschaft, die die Männer wahllos in die Masse der ihrer Würde beraubten Jüdinnen und Juden feuern ließ. Dass Strategien und Mechanismen, die auf kollektive Entwürdigung zielen, keineswegs der Vergangenheit angehören, zeigen die im Irakkrieg gebrauchten herabwürdigenden Klischees ebenso wie die Verunglimpfung von Randgruppen in der innenpolitischen Diskussion. Aber auch die in der Eisenerzer Gegend bezeugten Fälle von Zivilcourage können insbesondere Jugendlichen an positive Orientierungsmuster dienen, wenngleich Strasser zu bedenken gibt, dass Mut und Zivilcourage vor dem Hintergrund aus Dehumanisierung und Autorität nicht den Normalfall einer Reaktion darstellen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </span></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Frauenleben in Männerwelten</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jan 2009 12:01:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>np</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textbeispiele]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Steiermark]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom Leben der Frauen, die ihre Selbständigkeit auf dem sprichwörtlichen Nichts errichteten, von jenen, die in und mit den Trümmern überlebten. Die Geschichte der steirischen Frauen in der Nachkriegszeit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-outline-level: 3;"><em><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial; mso-bidi-font-weight: bold; mso-bidi-font-size: 12.0pt;">Vom Leben der Frauen, die ihre Selbständigkeit auf dem sprichwörtlichen Nichts errichteten. Von jenen, die in und mit den Trümmern überlebten.</span></em><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial; mso-bidi-font-weight: bold; mso-bidi-font-size: 12.0pt;"> <em>Die</em> <em>Geschichte der steirischen Frauen in der Nachkriegszeit.</em></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-outline-level: 3;"><span style="color: black; font-family: Arial;"><span style="font-size: small;"> </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Und dann hats regnan angefangen und auf amal hör ma rufen: Martha, Martha. Und jetzt, denk i, Teufel, des ist ja mein Mann&#8230; und so bin i obigrennt. Und dann war der Krieg aus.&#8221; Für Martha H. war der Krieg nicht am 8. Mai 1945 zu Ende, sondern erst als ihr Mann nach Hause gekommen war, Monate später. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Während das offizielle Ende des nationalsozialistischen Regimes längst zigmal notiert wurde, blieb das für diese &#8220;Frau aus dem Volk&#8221; maßgebliche Schlüsselerlebnis in der Geschichtsbetrachtung bislang unberücksichtigt, ebenso wenig fragte die Wissenschaft nach den Ursachen und den Folgen dieser subjektiv wahrgenommenen zeitlichen Verschiebung. In ihrer mit dem Erzherzog-Johann-Forschungspreis ausgezeichneten Habilitationsschrift hat die Grazer Historikerin Karin Schmidlechner-Lienhart den Versuch unternommen, dieses Defizit für den steirischen Raum zu beseitigen. &#8220;Frauenleben in Männerwelten&#8221; versteht sich als &#8220;Beitrag zur Geschichte der steirischen Frauen in der Nachkriegszeit&#8221; und beinhaltet eine Zusammenschau der Zeit von 1945 &#8211; 51, die sowohl durch schriftliche Quellen als auch mündlich tradierte Erinnerungen steirischer Frauen rekonstruiert wird. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Auf die Außensicht der Dinge läßt Schmidlechner-Lienhart in den einzelnen Kapiteln der Arbeit gleichsam Ansichten auf die Innenseite des Lebens in der Nachkriegszeit folgen. Keineswegs Abfallprodukt dieser Methode ist die Offenlegung der Diskrepanz zwischen den schriftlichen Quellen und den Wahrnehmungen der Frauen. Denn mitunter, so die Zeithistorikerin, die den Schwerpunkt ihrer Betrachtungen auf den frauenspezifischen Aspekt und in weiterer Folge auf die Thematik der Geschlechterbeziehung legt, entsteht der Eindruck, dass das schriftliche Material mit der mündlichen Erinnerung und Überlieferung nichts zu tun habe. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial; mso-bidi-font-size: 12.0pt;">Wie’s wirklich war</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Über die damalige Ernährungssituation fanden sich beispielsweise zahlreiche Unterlagen. Die Gespräche mit den Frauen ergaben jedoch ein von den schriftlichen Aufzeichnungen abweichendes Bild: Vor allem ältere Frauen, die bereits im Ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit mit sehr schlechten Ernährungsbedingungen zu kämpfen hatten, bewerteten die Lebensmittelversorgung nach dem Krieg ganz anders als jüngere Frauen. Gerade diese Unterschiede interessieren die Historikerin, weil sich daraus in weiterer Folge die Frage stellt, warum sich Frauen an dieses oder jenes Ereignis stark oder auch gar nicht erinnern. Und dieser subjektive Standpunkt, den man der Oral History zum Vorwurf gemacht hat, steht im Brennpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Schmidlechner &#8211; Lienhart weist weiters auf die latente Subjektivität schriftlicher Quellen, welche die Wissenschaftskritik längst nicht mehr bestreitet. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial; mso-bidi-font-size: 12.0pt;">Alltagsprobleme</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Auf schriftlichen Quellen basieren die allgemeinen Erläuterungen zur österreichischen und steirischen Lage anno dazumal, und sie sind notwendige Kontextbeschreibung, weil nur dadurch eine annähernde Rekonstruktion der Befindlichkeit gelingen kann. Dies zeigt sich beispielsweise an einem Kapitel, das von der nahezu epidemischen Verbreitung von Geschlechtskrankheiten sowie den damit verbundenen Problemen der medizinischen Versorgung bis hin zum Beziehungsleben handelt. Angesichts der Zahl der Erkrankten ist es kaum vorstellbar, dass diese Nachkriegsbegleiterscheinung fast in Vergessenheit geraten konnte. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial; mso-bidi-font-size: 12.0pt;">Auslandsträume </span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">In Vergessenheit gerieten aber auch die Auswanderungspläne vieler junger Steirerinnen, die in Anbetracht der verheerenden Wirtschaftslage nach Perspektiven suchten. Viele versuchten ihr Glück tatsächlich in der Schweiz, in Holland oder England. Andere ließen aus Rücksicht auf Verwandte, Partner oder aufgrund von Sprachschwierigkeiten von ihrem Vorhaben ab. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Die Untersuchung berichtet u. a. von spektakulären Aktionen von Frauen zur Verbesserung der Ernährungslage, als im Sommer und Herbst 1946 auch Steirerinnen zu Demonstrationen auf die Straße gingen. Denn als Politik zur &#8220;Magenfrage&#8221; wurde, die Versorgung schlecht funktionierte und Hilfslieferungen &#8211; etwa die &#8220;Schweizer Spende&#8221; &#8211; nur die gröbste Not linderten, meldeten sich die Frauen, deren Ernährungssituation besonders schlecht war &#8211; nicht zuletzt deshalb, weil sie die eigenen Rationen meist teilen mußten &#8211; laut-stark zu Wort. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial; mso-bidi-font-size: 12.0pt;">Beziehungsweise</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Der informative Gewinn der Oral History zeigt sich besonders bei Themen, die das Beziehungsleben der Nachkriegsgeneration einschließen. So wurden etwa die Statistiken, die nach dem Ende des zweiten Weltkrieges eine österreichweite Scheidungswelle vermerkten, durch Erzählungen aus der nächsten Umgebung der Betroffenen illustriert. Die Schilderungen erhellen ebenso, daß mit dem an und für sich positiv konnotierten Begriff der &#8220;Heimkehr&#8221; nur selten ein Moment harmonischen Zusammenfindens verbunden war. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Es ist ein spannender Zeitabschnitt, den die Grazer Historikerin behandelt, in dem Frauen Stärke beweisen und kraftraubende Leistungen für das Gemeinwohl erbringen. Eine Zeit des Wandels in der Rollenteilung der Geschlechter. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Als sich die Dinge wieder ordneten, gaben die Frauen, so das Resümee der Untersuchung, ihren Freiraum weitgehend auf. Die gewonnene Unabhängigkeit setzten sie beinahe ausschließlich im privaten Bereich um, in ihrer Partnerschaft und in der Erziehung ihrer Töchter, denen sie vor allem (Aus-) Bildung als probates Mittel zur weiblichen Selbständigkeit empfahlen und auch ermöglichten. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: gray; font-family: Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="color: black; font-family: Arial;"><span style="font-size: small;"> </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: small; font-family: Times New Roman;"> </span></p>
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		<title>Hitlers Theologie</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Jan 2009 18:05:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>np</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textbeispiele]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Theologe Rainer Bucher hat die  religiösen Konstruktionen in den Texten und Ansprachen von Adolf Hitler untersucht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Erschienen in <strong>Unizeit</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><em style="mso-bidi-font-style: normal;"></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><em style="mso-bidi-font-style: normal;"></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><em style="mso-bidi-font-style: normal;">Der Theologe Rainer Bucher hat die religiösen Konstruktionen in den Texten und Ansprachen von Adolf Hitler untersucht.</em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Gibt es tatsächlich einen theologisch relevanten Konnex zwischen göttlicher Allmacht und Hitlers Politik? „Vorausgesetzt der Begriff Theologie definiert nicht ausschließlich den christlichen und wissenschaftlichen Diskurs über Gott, sondern wortwörtlich alles Reden über Gott und seine Folgen“, meint der Grazer Pastoraltheologe Rainer Bucher. Er hat den Versuch unternommen, theologische Kategorien aus Hitlers Gesprächen, Reden und Texten herauszufiltern.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Woran Hitler selbst glaubte, lässt sich nur vermuten. Hinweise auf seine persönliche Religion finden sich so gut wie nicht. Was sich wohl durch die Dialogunfähigkeit des Mannes erklären lässt, – die im wörtlichen Sinne stundenlange Monologe des “Führers“ sind Legende.<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass es in der nationalsozialistischen Führungsspitze keine einheitliche Position zu theologischen Fragen gab: Während Heinrich Himmler und andere eine germanisch-völkische Religiosität forcierten, zeigten sich manche TechnokratInnen und PragmatikerInnen wenig interessiert an der Materie.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Schöpfungslegende</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Richtigerweise kann man also nicht von einer nationalsozialistischen Theologie sprechen, sondern dezidiert von einer Schöpfung Hitlers, deren Urheberschaft er auch entschieden für sich reklamierte.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Und mehr als das. In „Mein Kampf“ charakterisiert der Autor seine eigene Aufgabe: Es müsse eben „aus dem Heer von oft Millionen Menschen, die im einzelnen mehr oder weniger klar und bestimmt diese Wahrheiten ahnen,(…) einer hervortreten, um mit apodiktischer Kraft aus der schwankenden Vorstellungswelt der breiten Masse granitene Grundsätze zu formen und so lange den Kampf für ihre alleinige Richtigkeit aufzunehmen, bis sich aus dem Wellenspiel einer freien Gedankenwelt ein eherner Fels einheitlicher glaubens- und willensmäßiger Verbundenheit erhebt.“</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Hitlers theologische Konstruktion basiert auf seiner Überzeugung, dass Gott dem deutschen Volk eine Weltherrschaft zugesprochen habe, die er selbst durchsetzen müsse. Erkennbar sei die von Gott gewollte Ordnung an den in der Schöpfung begründeten Kultur- und Rassenunterschieden, die vom Menschen missachtet und mit Hitlers Hilfe wieder werden sollten. Sein Credo: „Indem ich mich des Juden erwehre, vollbringe ich das Werk des Herrn.“</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Fatale Positionierung</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Wer gegen „die aus der Natur herauslesbare Ordnung“ verstößt, verstößt nach Ansicht Hitlers gegen Gott. Eine zutiefst anti-universalistische Konzeption, die strikt gegen christlich-jüdisches Denken steht, wo Gott den Menschen erschaffen hat und die Aufgabe der AnhängerInnen darin besteht, die gleiche Würde ebenso wie die gleiche Erlösungsbedürftigkeit aller Menschen als Glaubensinhalt festzuhalten. Als Perversion dieser Tradition definierte Hitler die zur Weltherrschaft ausersehene arische Rasse als Volk der Auserwählten.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Fatal ist dies auch deshalb, weil sich der Diktator selbst, dem Darwinismus folgend, an der Spitze naturwissenschaftlicher Erkenntnis und somit als hochmodernen Menschen begriff, mehr noch, als Sprachrohr einer Ideologie, in der er die intelligenteste Form von Wissenschaft und fortschrittlichste Prägung von Religion vereinigt sah.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Hitlers Beharren auf dieser Konzeption bis zum Schluss, selbst noch angesichts der katastrophalen Realität im Frühjahr 1945, zeigt das Ausmaß seines fanatischen Glaubens. Bucher kommt zum Schluss, dass der theologische Diskurs jedenfalls Hitlers Handeln leitete und sowohl die Vernichtung des europäischen Judentums als auch die Kriegsführung erklärt.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Mehr als Floskeln</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Eine zusammenfassende Darstellung Hitlers von seinem eigenen theologischen Konzept gibt es nicht. Beim Durchforsten der Texte, Parteitagsreden oder Radioansprachen fand der Grazer Pastoraltheologe jedoch durchgehend Hinweise, denen er „theoretischen Systemstellenwert“ beimisst. Mit dieser Position wendet sich Bucher gegen die herrschende wissenschaftliche Meinung, welche die einschlägigen Äußerungen als religiöse Chiffren, rhetorische Sprachformen, als Floskeln und Überredungsgestus für ein damals noch sehr christlich geprägtes Volk interpretiert.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Gottesbegriff</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Tatsächlich lassen sich, wie der Wissenschafter nachweist, von den Anfängen bis zum Schluss zentrale theologische Kategorien feststellen: Vorsehung, Gott und Glaube. Begriffe, denen iin Hitlers Konstruktion klare Funktionen zukommen, weil sie die drei Zeit-Dimensionen menschlicher Existenz – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – einschließen. Die Vorsehung – in nahezu jeder öffentlichen Rede seit 1933 angesprochen – dient dem Projekt als zentrale geschichtstheologische Legitimation. Mit Hilfe des Gottesbegriffs totalisiert Hitler seine rassistische Politik, und der Glaube schafft Kampfbereitschaft und Einigkeit bis zum Märtyrertod. Denn: „Wer bereit ist, dafür zu sterben, der glaubt daran, wer nicht bereit ist, dafür zu sterben, der glaubt nicht daran.“</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Die eigentliche Originalität des Konzepts Hitlers sieht Rainer Bucher im Versuch, „das Projekt der Moderne, also die Säkularisierung der Politik und der damit entstandenen Zivilgesellschaft, zu spalten, um es auf eigenem Feld mit eigenen Mitteln zu schlagen.“</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
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