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	<title> &#187; Theologie</title>
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		<title>Im Schatten der Kirchengeschichte</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jan 2009 11:50:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>np</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textbeispiele]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Leistungen von Frauen werden in der kirchlichen Überlieferung meist Männern zugeschrieben. Bis jetzt.  ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><em><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial; mso-bidi-font-weight: bold;">Die Leistungen von Frauen werden in der kirchlichen Überlieferung meist Männern zugeschrieben. Bis jetzt. <span style="mso-spacerun: yes;"> </span></span></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><em></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Wer suchet, der findet. Oder besser: Diejenige, die sucht, findet. Im konkreten Fall sei vom Neuland geschlechtsneutraler Betrachtungsweisen der Kirchengeschichte die Rede. Denn während feministische Theoretikerinnen anderer Disziplinen sich bereits in die „verdiente Pension“ begeben, leisten Kirchenhistorikerinnen wie Prof. Michaela Kronthaler noch Pionierarbeit. Auf Standardwerke, die weibliches Wirken in der Vergangenheit aufzeigen, konnte sie im Zuge ihrer Darstellung „Prägender Frauen der steirischen Kirchengeschichte“ nicht zurückgreifen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"><br />
„Zahlreiche Frauen wurden und werden verkannt, ihr tatsächliches Engagement bleibt verschwiegen, sie werden unter vielen Vorwänden und Ausreden in ein Schatten-Dasein gedrängt“, lautet Kronthalers Befund. „Das Schweigen über die Frauen steht in einem deutlichen Missverhältnis zu dem, wie die männlichen Gestalter der Geschichte repräsentiert werden.“ Perspektivenwechsel ist angesagt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">„Die Frauenfrage als treibende Kraft“ betitelte sich bereits Kronthalers Dissertation über Hildegard Burjan. Damals zeigte sie am Beispiel der Sozialreformerin und Politikerin das Ringen der Frauen im katholischen Umfeld um ein neues Sozialverständnis in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Burjans Leben ist in diesem Zusammenhang nicht nur aufgrund der Tatsache interessant, dass eine intellektuell herausragende Frau sozialpolitisch wirksame Besserstellungen für einfachere soziale Schichten durchgesetzt hat. Ihr Schicksal ist typisch weiblich: Sie blieb im Hintergrund, bis ihre rege Korrespondenz mit Ignaz Seipel im Zuge der Seipel-Forschung wissenschaftliche Neugier geweckt hat.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Schatten-Dasein</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Erst die Nähe zu einem bedeutenden Mann verhilft der weiblichen Biographie zu gebührender Akzeptanz. Dieses Schicksal teilt die erste christlich-soziale Parlamentarierin mit vielen christlich motivierten Künstlerinnen, Ordensschwestern, Politikerinnen – kurz: Frauen vor und nach ihr.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;"><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Von Amts wegen gelten Bischöfe, Adelige, Kaiser als die generösen Stifter vieler Ordenshäuser. Tatsächlich war es Pfalzgräfin Adala, die um das Jahr 1000 das älteste Kloster auf steirischem Boden, das Kanonissen- bzw. Chorfrauenstift Göss bei Leoben gegründet hat.<br />
Und auch das erste steirische Männerstift in Admont verdankt seine Entstehung der Spende einer Frau, Hemma von Gurk. In der Nähe dieses Männerklosters wohnten vermutlich in separaten Zellen „fromme Jungfrauen, die häufig zu Gesprächen aufgesucht wurden“. Weil der Abt um die geistliche Disziplin fürchtete, siedelte er die Frauen in einem eigenen Klostergebäude an. Nach dem Vorbild von Monte Cassino gab es im Mittelalter viele solcher Frauenkonvente im „Schatten“ von Männerklöstern. Jurisdiktion und Disziplin oblagen dem Abt oder Propst, er verwaltete auch die Güter der geistlichen Damen, regelte die Statuten und setzte die Priorin ein. Trotz lokaler und rechtlicher Einschränkungen erlangten die Nonnen durch ihre hohe Bildung und Reformbegabung grenzüberschreitende Wertschätzung. Die Chronik berichtet von einer Reihe schreib- und lateinkundiger Nonnen, die in der Bibelexegese geübt waren. Auch der älteste und prächtigste Kodex mit der Benediktusregel in Admont stammt von den Kalligraphikerinnen des Konvents.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Sacré Coeur in Graz</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Der Ausbau des Bildungsbereichs war seit jeher Anliegen und Domäne von Frauen. So basierte die Errichtung des Sacré Coeur-Instituts in Graz höchstwahrscheinlich auf einer Anregung von Franziska Möstl. Sie war es jedenfalls, die zu diesem Zweck ein Haus kaufte und ihr gesamtes Vermögen dem Fürstbischof überließ. Neben den höheren Töchtern, die im angesehenen Pensionat erzogen wurden, erhielten auch ärmere Kinder unentgeltlichen Unterricht in einem eigenen Schullokal. Reformwillen bewies der Konvent auch in der späteren Schulgeschichte: 1932 errichtete er die erste achtklassige Frauenoberschule der Steiermark.<br />
Frauen und Frauenorden initiierten Schulen für bedürftige Kinder aller Altersstufen. Sie errichteten Krankenhäuser und verrichteten unentgeltliche Krankenpflege. Lebensnotwendige Sozialleistungen wurden in den vergangenen 150 Jahren in vermehrtem Maße auch von Laien ermöglicht. Im Revolutionsjahr 1848 starteten zwei Grazerinnen mit der Gründung des „Katholischen Frauenvereins der werktätigen christlichen Liebe“ ein engagiertes Caritas-Modell: Ohne Unterschied der Religion und des Geschlechtes sollten Kinder Bildung und Erziehung, in Not geratene Frauen und Mädchen Unterstützung erhalten. In einem Dienstmädchenasyl fanden weibliche Dienstboten während der Zeit ihrer Arbeitslosigkeit Aufenthalt, Verpflegung und Weiterbildung.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Dienstbotinnen-Rechte</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Mit der Einführung eines Dienstvertrages sicherte eine Steirerin den Dienstbotinnen – um die Jahrhundertwende die größte Schicht weiblicher Berufstätiger – wichtige Rechte. Auf Initiative von Johanna Weiß entstanden auch eine Stellenvermittlung, ein Altersheim, eine Krankenkasse sowie mehrere Heime für Arbeitslose. Die Notwendigkeit der gesetzlichen Verankerung der Sozialversicherung und der staatlichen Familienförderung hat die Grazerin Sophie von Scherer mehr als 100 Jahre vor deren Einführung erkannt. Damit hatte sie zumindest posthum mehr Erfolg als mit den kirchenpolitischen Reformvorschlägen, die sie öffentlich deponierte. In einem offenen Schreiben an die erste Deutsche Bischofskonferenz 1848 in Würzburg sprach sie sich für die Einführung der Landessprache im Gottesdienst und die Aufhebung des Zölibats aus, damit die „Kluft“ zwischen Priestern und Weltleuten überwunden werde.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Frauen in der Mehrheit</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; mso-margin-top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto;"><span style="font-size: 11pt; color: black; font-family: Arial;">Durch die Neuerungen des Vatikanischen Konzils mit seiner Aufwertung des Laienstandes hat sich das Betätigungsfeld der Frauen in der steirischen Kirche massiv ausgeweitet. Der Frauenanteil in den Pfarrgemeinderäten liegt zurzeit über 50 Prozent, im Religionsunterricht stellen die Lehrerinnen mit 61Porzent die Mehrheit, und auch die Zahl der inskribierten Studienanfängerinnen in Theologie liegt bereits jenseits der 50 Porzent Marke.<br />
Nur an der Spitze wird die Luft auch bei den Laien recht dünn. 1993 habilitierte sich mit der Ausseerin Irmtraud Fischer erstmals eine Theologin in Österreich; mittlerweile ist sie dem Ruf nach Bonn gefolgt, wo sie den Lehrstuhl für Frauenforschung und Altes Testament inne hat. Bleiben der Grazer Fakultät noch zwei Professorinnen: Anne Jensen am Institut für Ökumenische Theologie und Patrologie und die erste Kirchenhistorikerin Österreichs, Michaela Kronthaler.<br />
Wie hat doch die reformfreudige Sophie von Scherer einst geseufzt: „Ich bin um 100 Jahre zu früh geboren.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><span style="font-size: 11pt; font-family: Arial;"> </span></p>
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		<title>Hitlers Theologie</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Jan 2009 18:05:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>np</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textbeispiele]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Theologe Rainer Bucher hat die  religiösen Konstruktionen in den Texten und Ansprachen von Adolf Hitler untersucht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Erschienen in <strong>Unizeit</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><em style="mso-bidi-font-style: normal;"></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><em style="mso-bidi-font-style: normal;"></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><em style="mso-bidi-font-style: normal;">Der Theologe Rainer Bucher hat die religiösen Konstruktionen in den Texten und Ansprachen von Adolf Hitler untersucht.</em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Gibt es tatsächlich einen theologisch relevanten Konnex zwischen göttlicher Allmacht und Hitlers Politik? „Vorausgesetzt der Begriff Theologie definiert nicht ausschließlich den christlichen und wissenschaftlichen Diskurs über Gott, sondern wortwörtlich alles Reden über Gott und seine Folgen“, meint der Grazer Pastoraltheologe Rainer Bucher. Er hat den Versuch unternommen, theologische Kategorien aus Hitlers Gesprächen, Reden und Texten herauszufiltern.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Woran Hitler selbst glaubte, lässt sich nur vermuten. Hinweise auf seine persönliche Religion finden sich so gut wie nicht. Was sich wohl durch die Dialogunfähigkeit des Mannes erklären lässt, – die im wörtlichen Sinne stundenlange Monologe des “Führers“ sind Legende.<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass es in der nationalsozialistischen Führungsspitze keine einheitliche Position zu theologischen Fragen gab: Während Heinrich Himmler und andere eine germanisch-völkische Religiosität forcierten, zeigten sich manche TechnokratInnen und PragmatikerInnen wenig interessiert an der Materie.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Schöpfungslegende</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Richtigerweise kann man also nicht von einer nationalsozialistischen Theologie sprechen, sondern dezidiert von einer Schöpfung Hitlers, deren Urheberschaft er auch entschieden für sich reklamierte.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Und mehr als das. In „Mein Kampf“ charakterisiert der Autor seine eigene Aufgabe: Es müsse eben „aus dem Heer von oft Millionen Menschen, die im einzelnen mehr oder weniger klar und bestimmt diese Wahrheiten ahnen,(…) einer hervortreten, um mit apodiktischer Kraft aus der schwankenden Vorstellungswelt der breiten Masse granitene Grundsätze zu formen und so lange den Kampf für ihre alleinige Richtigkeit aufzunehmen, bis sich aus dem Wellenspiel einer freien Gedankenwelt ein eherner Fels einheitlicher glaubens- und willensmäßiger Verbundenheit erhebt.“</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Hitlers theologische Konstruktion basiert auf seiner Überzeugung, dass Gott dem deutschen Volk eine Weltherrschaft zugesprochen habe, die er selbst durchsetzen müsse. Erkennbar sei die von Gott gewollte Ordnung an den in der Schöpfung begründeten Kultur- und Rassenunterschieden, die vom Menschen missachtet und mit Hitlers Hilfe wieder werden sollten. Sein Credo: „Indem ich mich des Juden erwehre, vollbringe ich das Werk des Herrn.“</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Fatale Positionierung</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Wer gegen „die aus der Natur herauslesbare Ordnung“ verstößt, verstößt nach Ansicht Hitlers gegen Gott. Eine zutiefst anti-universalistische Konzeption, die strikt gegen christlich-jüdisches Denken steht, wo Gott den Menschen erschaffen hat und die Aufgabe der AnhängerInnen darin besteht, die gleiche Würde ebenso wie die gleiche Erlösungsbedürftigkeit aller Menschen als Glaubensinhalt festzuhalten. Als Perversion dieser Tradition definierte Hitler die zur Weltherrschaft ausersehene arische Rasse als Volk der Auserwählten.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Fatal ist dies auch deshalb, weil sich der Diktator selbst, dem Darwinismus folgend, an der Spitze naturwissenschaftlicher Erkenntnis und somit als hochmodernen Menschen begriff, mehr noch, als Sprachrohr einer Ideologie, in der er die intelligenteste Form von Wissenschaft und fortschrittlichste Prägung von Religion vereinigt sah.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Hitlers Beharren auf dieser Konzeption bis zum Schluss, selbst noch angesichts der katastrophalen Realität im Frühjahr 1945, zeigt das Ausmaß seines fanatischen Glaubens. Bucher kommt zum Schluss, dass der theologische Diskurs jedenfalls Hitlers Handeln leitete und sowohl die Vernichtung des europäischen Judentums als auch die Kriegsführung erklärt.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Mehr als Floskeln</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Eine zusammenfassende Darstellung Hitlers von seinem eigenen theologischen Konzept gibt es nicht. Beim Durchforsten der Texte, Parteitagsreden oder Radioansprachen fand der Grazer Pastoraltheologe jedoch durchgehend Hinweise, denen er „theoretischen Systemstellenwert“ beimisst. Mit dieser Position wendet sich Bucher gegen die herrschende wissenschaftliche Meinung, welche die einschlägigen Äußerungen als religiöse Chiffren, rhetorische Sprachformen, als Floskeln und Überredungsgestus für ein damals noch sehr christlich geprägtes Volk interpretiert.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Gottesbegriff</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Tatsächlich lassen sich, wie der Wissenschafter nachweist, von den Anfängen bis zum Schluss zentrale theologische Kategorien feststellen: Vorsehung, Gott und Glaube. Begriffe, denen iin Hitlers Konstruktion klare Funktionen zukommen, weil sie die drei Zeit-Dimensionen menschlicher Existenz – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – einschließen. Die Vorsehung – in nahezu jeder öffentlichen Rede seit 1933 angesprochen – dient dem Projekt als zentrale geschichtstheologische Legitimation. Mit Hilfe des Gottesbegriffs totalisiert Hitler seine rassistische Politik, und der Glaube schafft Kampfbereitschaft und Einigkeit bis zum Märtyrertod. Denn: „Wer bereit ist, dafür zu sterben, der glaubt daran, wer nicht bereit ist, dafür zu sterben, der glaubt nicht daran.“</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;">Die eigentliche Originalität des Konzepts Hitlers sieht Rainer Bucher im Versuch, „das Projekt der Moderne, also die Säkularisierung der Politik und der damit entstandenen Zivilgesellschaft, zu spalten, um es auf eigenem Feld mit eigenen Mitteln zu schlagen.“</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
]]></content:encoded>
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		<title>Vestigia &#8211; Spurensuche in Ost-Südost</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Jan 2009 17:16:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>np</dc:creator>
				<category><![CDATA[Textbeispiele]]></category>
		<category><![CDATA[Südosteuropa]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Geheime Zeichen, die durch digitale Verfahren sichtbar werden. WissenschafterInnen, die in alten Wälzern Schriften entziffern, die kein Mensch mehr spricht. Wortfragmente und minutiöse Puzzlearbeit im Archiv, Hypothesen und Spannung, bis das Geheimnis endlich gelöst ist. Ein Stoff aus dem Bestseller gestrickt werden und angefangen hat alles in Graz. Am Manuscript Research Center.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;">Erschienen in <strong>Unizeit</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"><em style="mso-bidi-font-style: normal;"></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"><em style="mso-bidi-font-style: normal;"></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"><em style="mso-bidi-font-style: normal;">Geheime Zeichen, die durch digitale Verfahren sichtbar werden. WissenschafterInnen, die in alten Wälzern Schriften entziffern, die kein Mensch mehr spricht. Wortfragmente und minutiöse Puzzlearbeit im Archiv, Hypothesen und Spannung, bis das Geheimnis endlich gelöst ist. Ein Stoff aus dem Bestseller gestrickt werden und angefangen hat alles in Graz. </em><em style="mso-bidi-font-style: normal;">Am Manuscript Research Center.</em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;">Treibende Kraft hinter Vestigia, einem Forschungszentrum, das sich seit drei Jahren der Erschließung von Handschriften in den Ländern Ost- und Südosteuropas widmet, ist der Liturgiewissenschafter Erich Renhart. Dabei stützt sich der Forscher auf Kooperationen mit KollegInnen in Bukarest, Sofia, Marburg, Laibach, Ohrid, bis Erewan, wo nach der politischen Ostöffnung unendlich viele historische Handschriften auf Bearbeitung warten.<span style="mso-spacerun: yes;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Altes erhalten, Neues finden</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;">„Das forscherische Ethos“, beschreibt Renhart die Hauptmotivation, „zielt zunächst darauf ab, Bücher zu erhalten und zum zweiten, neue Quellen bekannt zu machen. Auch um eigene Wurzeln besser zu kennen und die eigenen Ansichten zu überprüfen.“ Ressourcenteilung und Know-how-Transfer von der Konservierung und Restaurierung von Handschriften, bis hin zur wissenschaftlichen Aufarbeitung des Dokumentenerbes bestimmen die wissenschaftliche Spurensuche.<span style="mso-spacerun: yes;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Spurensuche</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;">So beschäftigt sich ein Projekt mit der Erfassung Stücke alter österreichischer Bibliotheken in slowenischen Sammlungen, die<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>– virtuell – mit den übrigen Teilen der Sammlung zusammengeführt werden sollen. Armenische Texte aus dem 12. Jahrhundert erzählen über den reichen kulturellen Austausch und Konflikte in der Levante und noch spannender wird es bei jenem Psalimpsest,<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>einem einmal gelöschten Pergament, das mit einem georgischen Psalter überschrieben wurde. Den Originaltext im UV-Licht zu entschlüsseln, ist ein spezieller Reiz, wie Renhart und seine Kolleginnen gestehen. Auch weil die Schriften und Fragmente neben den rein liturgischen Texten historische und soziologische Details verraten. „Daily life“, gut abgelegen.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;"></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"><strong style="mso-bidi-font-weight: normal;">Nie ohne Traveller</strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;">In Ohrid, einer kulturhistorisch bedeutenden Stadt im Südwesten Makedoniens, werden zurzeit unbekannte Informationen aus<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>slawischen und griechischen Manuskripten entschlüsselt. An einen Transport des angegriffenen Dokumentenmaterials in österreichische Restaurierwerkstätten ist, wie in vielen anderen Fällen, nicht zu denken. Kein Problem für die SpurensucherInnen aus Graz, die nie ohne den<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>„Traveller TCCS 4232“ verreisen, einen<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>mobilen Kameratisch, der objektschonende Digitalisierung ermöglicht. Das von DI Manfred Mayer eigens<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>für Vestigia<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>entwickelte Gerät hat dem Projekt Reputation und Interesse der Branche<span style="mso-spacerun: yes;"> </span>gebracht und durch den Verkauf an renommierte Bibliotheken auch zusätzliche Ressourcen für die eigenen Projekte lukriert.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; tab-stops: 279.0pt;"> </p>
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