morning-pages text nina-popp foto death-to-stockfotosSind Sie Morgenmensch oder Nachteule, wie ich? Egal, denn selbst, wenn Sie vor 8 Uhr prinzipiell nicht sprechen und Ihr Morgensport sich auf das Drücken der Kaffeemaschine beschränkt, die Morning Pages, die ich Ihnen hiermit ans Herz lege, werden sich bestimmt positiv auf den Rest Ihres Tages auswirken.

Morning Pages? Das sind ganz einfach drei A4-Papierseiten, die Sie gleich nach dem Aufwachen schreiben. Bevor Sie irgendetwas anderes tun. Handschriftlich, wohlgemerkt. Ob Sie um fünf Uhr aufstehen oder um halb neun.

Warum? Weil Sie ihre Gedanken niederschreiben sollen, „bevor Ihr Ego Abwehrkräfte entwickelt“, begründet Julia Cameron den optimalen Zeitpunkt für die private Schreibübung, die sie schon 1992 in The Artist’s Way unter die Leute brachte.

Worüber Sie schreiben sollen? Über alles, was Ihnen gerade in den Kopf kommt. Sie beginnen mit scheinbaren Banalitäten – privaten Kleinigkeiten wie größeren Vorhaben und beruflichen To-Dos. Womit auch immer Sie anfangen, das morgendliche Schreiben führt Sie garantiert zu ganz persönlichen Anliegen, die Sie intensiv beschäftigen.

Staubwischen im Unterbewusstsein

„Die Themen kommen quasi von selbst“, bestätigt eine Freundin meine eigene Erfahrung, „Es ist unmöglich drei Seiten lang über nichts zu schreiben.“ Und Julia Cameron vergleicht die Übung mit Staubwischen: Das Schreiben führt Sie nämlich über kurz oder lang in die hinteren Ecken Ihres Bewusstseins und wirbelt unter Umständen ordentlich Staub auf. Dann kommen plötzlich Unsicherheiten, Ängste oder Dilemmata zutage. Aber auch Einsichten und Klarheiten.

Oder wie es Cameron formuliert: „Nach zweieinhalb Seiten wird es oft schwieriger, aber genau da kommen Sie auf den Punkt!“

Wer ein Tagebuch führt, kennt den Benefit regelmäßiger Einträge, die Gedanken sichtbar machen. Wer seine Notizen gleich nach dem Aufwachen festhält, nutzt die Chance, noch mehr kreativen Output zu lukrieren, weil das Gehirn noch nicht auf Hochform und zu schwach ist, um sich gegen unerwartete Gedanken zu wehren.

Nach drei Seiten ist jedenfalls Schluss. Der Staubwedel respektive der Stift wird wieder weggelegt und der Tag kann beginnen. „Mit einem Quantum mehr an Klarheit und weniger Druck, weil Unangenehmes bereits abgelegt ist und wichtige Gedanken ebenso klar zu Papier gebracht sind“, wie mir ein überzeugter Morning Pager sagt.

Mein persönlicher Tipp:

Morning Pages führen immer wieder zu verschütteten Schätzen und Neuentdeckungen – Gedanken, Worten, Formulierungen –, die Sie markieren und in den Tag und Ihr berufliches Schreiben mitnehmen können.

Foto: Deathtostockfoto