die-gesellschaft-der-kreativenEin Praxisleitfaden, der Unternehmen der Kreativwirtschaft ermutigt, Kooperationen professionell zu gestalten. Im Auftrag der Kreativwirtschaft Austria, Wirtschaftskammer Österreich.

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Wie baue ich eine haltbare Kooperation auf?

Eine spannende Vision und MitstreiterInnen zur Umsetzung sind gute Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg. Nun geht es darum, die künftige Zusammenarbeit zu organisieren und zu strukturieren. Die Beziehungen müssen ausgehandelt und geregelt werden. Gemeinsam müssen Win-Win-Situationen ausgelotet und die technischen Umsetzungsmöglichkeiten gefunden werden. Jede Seite muss wissen, worauf sie sich einlässt.

Zeit investieren

Zu Beginn brauchen Kooperationen zunächst einmal Zeit. „Wer den Faktor Zeit vergisst, übersieht ein wichtiges K.O-Kriterium im Teamwork“, rät Claudia Brandstätter unbedingt zu einem klärenden Gespräch, in dem beide Seiten bisherige Arbeitsweisen erfahren und die Bedingungen einer Zusammenarbeit klären. Aufgabenteilung und Honorar, Rechtsformen und Ideenverwertung sind wichtige Themen, die künftige KooperationspartnerInnen offen ansprechen müssen.

Spielregeln entwickeln

Die wesentlichen Punkte zu erkennen und zu regeln, ist keine Kleinigkeit. Kreative, die Erfahrungen aus der Zeit als FreelancerInnen, EPU oder aus einem Angestelltenverhältnis mitbringen, schaffen die Klärung oft in Eigenregie, manchmal bringt das Erfahrungswissen von BranchenkollegInnen wertvolle Tipps. Mit der Unterstützung von OrganisationsentwicklerInnen, Finanz- und RechtsexpertInnen lassen sich die Prozesse verkürzen und Folgekosten sparen. „Die neutrale Sicht auf die Dinge tut manchmal gerade deshalb ganz gut, weil Außenstehende auch über heikle Punkte sachlich sprechen können und nicht emotional involviert sind“, meint eine Unternehmensberaterin.

Hürden meistern

Zeigt sich gleich zu Beginn, dass Vertrauen, Sensibilität, Kompromissbereitschaft in einem oder mehreren Punkten unterschiedlich verstanden und gelebt werden, muss das nicht das rasche Ende bedeuten. Wichtig ist, dass die unterschiedlichen Zugänge zur Sprache gebracht und geklärt werden. Wer diese Hürden meistert, gewinnt außerdem ein klares Bild von der Kooperationsfähigkeit, Offenheit und Lernfähigkeit der PartnerInnen und stellt seine eigenen Qualitäten unter Beweis.

Spießt sich die Zusammenarbeit trotz Vermittlungsversuchen beharrlich, raten viele Kreative lieber zu einem frühen Ende, bevor zu viel Zeit und Energie investiert werden.

Ziele und Strategien definieren

Wichtigste Themen am Beginn einer Partnerschaft sind das gemein- same Ziel und die strategische Ausrichtung. Es genügt nicht, dass Einzelne Visionen und die Route im Kopf haben. Die Richtung muss allen klar und für alle von Interesse sein, andernfalls schwindet die Energie erfahrungsgemäß im Nu.
Bringt ein/e PartnerIn zudem MitarbeiterInnen in die Kooperation ein, müssen auch diese über Ziele und Konsequenzen der Zusam- menarbeit informiert werden, damit sie Vor- und Nachteile rechtzeitig einschätzen können. Auf diese Weise lässt sich Widerstand gegen Neues vermeiden, das jede Veränderung mit sich bringt. Auch Vorleistungen und Rechte, die in die Partnerschaft eingebracht werden, müssen angesprochen werden, ebenso wie das Ausmaß der gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeit.

Rollen verteilen

Wer welchen Part in einer Kooperation übernimmt, hängt von den jeweiligen Kernkompetenzen ab, in fachlichen Belangen wie im Bereich der Soft Skills. Wenn ein Programmierer und eine Grafikerin zusammenarbeiten, sind Überschneidungen im fachlichen Bereich nahezu ausgeschlossen. Dennoch ist es wichtig zu klären, wer die Kommunikation nach außen übernimmt, wer die interne Organisation verantwortet, wie gemeinsame Projekte abgewickelt werden sollen.

Eingangs­Check

  • Investieren Sie Zeit in den Aufbau Ihrer Kooperation. Klären Sie die gemeinsamen Ziele und legen Sie die Rahmenbedingungen fest:
  • Wie groß ist der Umfang der Aufgabe, die gemeinsam umgesetzt werden soll?
  • Wer ist noch in die Kooperation eingebunden?
  • Für wie lange ist die Zusammenarbeit anberaumt? Kurzfristige oder langfristige Kooperation?
  • Welche technischen Ressourcen stehen zur Verfügung? Welche werden zusätzlich zur Umsetzung gebraucht?
  • Sind daneben noch Ressourcen für andere Projekte frei oder beansprucht die Kooperation alle Ressourcen?
  • Welche Arbeitsschritte sind notwendig? Was steht fest und was ist noch ungewiss? Was ist der ideale Standort?
  • Welchen Raum braucht die Kooperation? Kann bestehender Raum genutzt werden?
  • Welche Investitionen sind notwendig?
  • Wie viel Geld darf das gemeinsame Vorhaben kosten? Wie viel Kapital steht zur Verfügung?
  • Wer übernimmt die Haftung?

Die Antworten auf diese Fragen liefern wichtige Entscheidungshilfen für den Start kreativer Kooperationen und die Wahl der passenden Organisationsform.

Schriftliche Vereinbarung

Am Ende des Gesprächs sollte das gemeinsame Vorhaben in einem Commitment festgehalten werden. Bei größeren Vorhaben empfiehlt sich der Letter of Intent (LOI), eine Absichtserklärung, in dem die PartnerInnen ihren Willen bekunden, Vertragsverhandlungen zu füh- ren, bestimmte Ziele, Verschwiegenheit u.v.m. vereinbaren. Details dieser Regelungen werden im Kapitel „Alles, was Recht ist.“ ausführlich behandelt.

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Aus: Die Gesellschaft der Kreativen, Nina Popp und Marie-Theres Zirm. Die Servicebroschüre (2. Auflage) können Sie kostenlos downloaden.

Foto: fotolia, Kreativwirtschaft Austria