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Vestigia – Spurensuche in Ost-Südost

17. Januar 2009 von np

Erschienen in Unizeit

Geheime Zeichen, die durch digitale Verfahren sichtbar werden. WissenschafterInnen, die in alten Wälzern Schriften entziffern, die kein Mensch mehr spricht. Wortfragmente und minutiöse Puzzlearbeit im Archiv, Hypothesen und Spannung, bis das Geheimnis endlich gelöst ist. Ein Stoff aus dem Bestseller gestrickt werden und angefangen hat alles in Graz. Am Manuscript Research Center.

 

 

Treibende Kraft hinter Vestigia, einem Forschungszentrum, das sich seit drei Jahren der Erschließung von Handschriften in den Ländern Ost- und Südosteuropas widmet, ist der Liturgiewissenschafter Erich Renhart. Dabei stützt sich der Forscher auf Kooperationen mit KollegInnen in Bukarest, Sofia, Marburg, Laibach, Ohrid, bis Erewan, wo nach der politischen Ostöffnung unendlich viele historische Handschriften auf Bearbeitung warten.

 

Altes erhalten, Neues finden

 

 

„Das forscherische Ethos“, beschreibt Renhart die Hauptmotivation, „zielt zunächst darauf ab, Bücher zu erhalten und zum zweiten, neue Quellen bekannt zu machen. Auch um eigene Wurzeln besser zu kennen und die eigenen Ansichten zu überprüfen.“ Ressourcenteilung und Know-how-Transfer von der Konservierung und Restaurierung von Handschriften, bis hin zur wissenschaftlichen Aufarbeitung des Dokumentenerbes bestimmen die wissenschaftliche Spurensuche.

 

Spurensuche

 

So beschäftigt sich ein Projekt mit der Erfassung Stücke alter österreichischer Bibliotheken in slowenischen Sammlungen, die – virtuell – mit den übrigen Teilen der Sammlung zusammengeführt werden sollen. Armenische Texte aus dem 12. Jahrhundert erzählen über den reichen kulturellen Austausch und Konflikte in der Levante und noch spannender wird es bei jenem Psalimpsest, einem einmal gelöschten Pergament, das mit einem georgischen Psalter überschrieben wurde. Den Originaltext im UV-Licht zu entschlüsseln, ist ein spezieller Reiz, wie Renhart und seine Kolleginnen gestehen. Auch weil die Schriften und Fragmente neben den rein liturgischen Texten historische und soziologische Details verraten. „Daily life“, gut abgelegen.

 

Nie ohne Traveller

 

In Ohrid, einer kulturhistorisch bedeutenden Stadt im Südwesten Makedoniens, werden zurzeit unbekannte Informationen aus slawischen und griechischen Manuskripten entschlüsselt. An einen Transport des angegriffenen Dokumentenmaterials in österreichische Restaurierwerkstätten ist, wie in vielen anderen Fällen, nicht zu denken. Kein Problem für die SpurensucherInnen aus Graz, die nie ohne den „Traveller TCCS 4232“ verreisen, einen mobilen Kameratisch, der objektschonende Digitalisierung ermöglicht. Das von DI Manfred Mayer eigens für Vestigia entwickelte Gerät hat dem Projekt Reputation und Interesse der Branche gebracht und durch den Verkauf an renommierte Bibliotheken auch zusätzliche Ressourcen für die eigenen Projekte lukriert.

 

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